Marco Rubio spricht am Podium, während Donald Trump und Pete Hegseth im Hintergrund stehen.
Titel „America’s Maritime Action Plan“ der US-Regierung, Februar 2026.

Ein neues goldenes Zeitalter der Seefahrt“, prognostiziert US-Außenminister Marco Rubio den Vereinigten Staaten. Die Formulierung findet sich in der Einleitung zum „America`s Maritime Action Plan“ (MAP), den die amerikanische Regierung am 13. Februar 2026 veröffentlicht hat. Er geht zurück auf eine Executive Order von Präsident Trump von April 2025 mit dem Titel „Restoring America’s Maritime Dominance“. Im Rubio-Vorwort heißt es: „Jahrzehntelang haben sich die strategische Position und die Schiffbaukapazitäten des Landes aufgrund fehlender strategischer Ausrichtung, umständlicher staatlicher Beschaffungsprozesse und mangelnder strategischer Unterstützung für den Bau von Handelsschiffen in heimischen Werften geschwächt. Hinzu kommt ein Rückgang der staatlichen Investitionen in die maritime Industriebasis.“ Ganz konkret heißt es weiter: „Weniger als ein Prozent aller neuen Handelsschiffe werden in den Vereinigten Staaten gebaut.“

Vor diesem Hintergrund stellt der MAP einen umfassenden industrie- und sicherheitspolitischen Rahmen zur Stärkung der US-maritimen Wirtschaft zusammen. Ziel ist insbesondere der Wiederaufbau der nationalen US-Schiffbaukapazitäten, der Ausbau der US-beflaggten Handelsflotte sowie die Verringerung der Abhängigkeit der USA von ausländischen Werften und Lieferketten. Der MAP ist entlang von vier strategischen Säulen aufgebaut:

  • Wiederaufbau der US-Schiffbaukapazitäten
  • Reform von Ausbildung und Arbeitskräfteentwicklung im maritimen Sektor
  • Schutz und Stärkung der maritimen industriellen Basis
  • Nationale Sicherheit, wirtschaftliche Resilienz und industrielle Wettbewerbsfähigkeit.
Militärisches Versorgungsschiff fährt vor einer Küstenstadt, begleitet von einem Schlepper.
Spezialisierung. In den USA werden im Wesentlichen Fähren und Kriegsschiffe gebaut – wie hier die „Lucy Stone“, ein Flottenversorgungsschiff der John-Lewis-Klasse, bei Testfahrten vor San Diego.

Mehrere im Plan vorgeschlagene Maßnahmen könnten direkte Auswirkungen auf deutsche Schifffahrtsunternehmen haben und werden auch auf internationaler Verbandsebene aufmerksam verfolgt (s. Kasten unten):

  • Gebühr für im Ausland gebaute Schiffe: Vorgeschlagen wird eine „universelle Infrastruktur- bzw. Sicherheitsgebühr“ für alle im Ausland gebauten Handelsschiffe, die US-Häfen anlaufen. Die Gebühr soll sich am Gewicht der Importladung orientieren. Im Plan werden beispielhaft Sätze von 1 Cent bis 25 Cent pro Kilogramm genannt. Die Einnahmen sollen einen neuen Maritime Security Trust Fund speisen.
  • Ausweitung von Cargo-Preference-Regeln: Der Plan sieht vor, den Anteil von US-gebundenen Transporten auf US-Schiffen schrittweise zu erhöhen, sobald zusätzliche US-Kapazitäten aufgebaut sind.
  • Handels- und industriepolitische Instrumente: Die US-Regierung will ihre wirtschaftsdiplomatischen Instru­mente stärker nutzen, u. a. im Rahmen des „Agreement on Reciprocal Trade“-Ansatzes, um Investitionen in den US-Schiffbau zu mobilisieren. Laut Plan wurden bereits Investitionszusagen in Höhe von rund 150 Milliarden US-Dollar eingeworben.
  • Neue Infrastrukturabgabe für Landgrenzen: Zusätzlich wird eine Land Port Maintenance Tax vorgeschlagen, die Importe über Landesgrenzen mit einer moderaten Abgabe (0,125 % des Warenwertes) belegen soll, um Infrastrukturfinanzierung zwischen Land- und Seehäfen stärker anzugleichen.
  • Handelspolitischer Kontext (China / Section 301): Der Plan verweist auf die laufenden Maßnahmen im Zusammenhang mit der Section 301-Untersuchung zu Chinas Schiffbau- und Logistikpolitik. Die USA haben entsprechende Maßnahmen derzeit bis November 2026 ausgesetzt, führen jedoch weiterhin Konsultationen mit China sowie Kooperationen mit Japan und Korea zur Stärkung des US-Schiffbaus fort.

Die im Plan enthaltenen Vorschläge sollen Teil eines größeren Gesetzespakets werden, das in den US-Haushaltsrahmen ab 2027 eingebettet sein soll. Eine entsprechende Vorlage wird im Zusammenhang mit dem Haushaltsentwurf für das Fiskaljahr 2027 erwartet.

Position des Weltreederverbands ICS

Die International Chamber of Shipping begrüßt die Absicht der US-Regierung, den Schiffbau und die maritimen Kapazitäten in den USA wiederzubeleben und auszubauen. Die ICS lehnt jedoch jegliche vorgeschlagene Hafengebühren ab – einschließlich der universellen Infrastruktur- oder Sicherheitsgebühr für im Ausland gebaute Handelsschiffe, die US-Häfen anlaufen. Solche Maßnahmen bergen die Gefahr, den Handel zu verzerren, die Kosten für US-Verbraucher und -Unternehmen zu erhöhen, den reibungslosen Ablauf des globalen Handels zu stören, und sie könnten Vergeltungsmaßnahmen nach sich ziehen. 

Hafengebühr ab Herbst?

Vom 10. November 2025 an hatte der US-Handelsbeauftragte die Maßnahmen gemäß Section 301 offiziell für ein Jahr ausgesetzt. Demnach würden sie im am 9.11. 2026 in  Kraft treten. Betroffen sind Schiffe mit „Link to China“ (dort gebaut, von chinesischer Reederei betrieben) und nicht in den USA gebaute Autotransporter. 

Die Gebühren starten bei 18 Dollar pro Tonne bzw. 120 Dollar pro Container für Schiffe, die in China gebaut sind. Von chinesischen Reedereien betriebene Schiffe kosten 50 Dollar pro Tonne, auf nichtamerikanische Car-Carrier kämen 150 Dollar pro Transporteinheit zu. 

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