Das Bild zeigt eine Ansammlung von Schiffen, die auf Reede liegen, überlagert von dem Logo des Seegerichtshofs

Die Straße von Hormus gehört zu den wichtigsten internationalen Schifffahrtsrouten und ist von erheblicher Bedeutung für den Welthandel und die globale Energieversorgung. Das internationale Seerecht gewährleistet Schiffen das Recht auf Transitdurchfahrt durch Meerengen, die der internationalen Schifffahrt dienen. Allein für die Ausübung dieses Rechts dürfen keine Maut, Transitgebühren oder vergleichbaren Abgaben erhoben werden.

Der Verband Deutscher Reeder appelliert daher an alle beteiligten Staaten, die Freiheit der Schifffahrt und das Recht auf ungehinderte Transitdurchfahrt zu achten. Handelsschiffe müssen die Straße von Hormus sicher und ohne unzulässige Beschränkungen oder Gebühren passieren können.

Das Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen (United Nations Convention on the Law of the Sea – UNCLOS) ist der internationale Rechtsrahmen für die Nutzung der Meere. Es legt die Rechte und Pflichten der Staaten fest und regelt unter anderem die Schifffahrt durch Meerengen, die der internationalen Schifffahrt dienen. UNCLOS ist ein umfassendes völkerrechtliches Übereinkommen, das wesentliche Regeln des bestehenden Seevölkergewohnheitsrechts kodifiziert und zugleich das internationale Seerecht fortentwickelt. UNCLOS ist gewissermaßen das Grundgesetz der Meere. 

Nein. Nach internationalem Recht gibt es keine Rechtsgrundlage dafür, allein für die Ausübung des Rechts auf Transitdurchfahrt eine Maut oder Gebühr zu erheben. Gebühren dürfen nur erhoben werden, wenn ein Schiff tatsächlich eine konkrete Dienstleistung in Anspruch nimmt.

Ja. Einige Wasserstraßen, etwa der Suez- und der Panamakanal, erheben Transitgebühren. Dies liegt daran, dass es sich um künstlich angelegte Kanäle handelt, die innerhalb des Hoheitsgebiets Ägyptens beziehungsweise Panamas liegen und ihren jeweiligen nationalen Rechtsordnungen unterliegen. Internationale Meerengen wie die Straße von Hormus werden hingegen nach anderen Regeln des internationalen Rechts – insbesondere nach UNCLOS – geregelt.

Eine Gebühr allein für die Ausübung des Rechts auf Transitdurchfahrt würde grundlegende Prinzipien des internationalen Seerechts untergraben. Sie würde die Kosten des Welthandels erhöhen und zusätzliche Unsicherheit für die internationale Schifffahrt sowie für globale Energie- und Lieferketten schaffen. Zudem könnte sie einen Präzedenzfall schaffen und ähnliche Forderungen in anderen strategisch wichtigen Meerengen nach sich ziehen

Ja. Küstenstaaten dürfen Gesetze und Vorschriften zur Sicherheit der Schifffahrt, zum Verkehrsmanagement, zum Umweltschutz und zu ähnlichen Bereichen erlassen. Diese Maßnahmen dürfen jedoch die Transitdurchfahrt weder behindern noch diskriminieren oder das Recht auf Transitdurchfahrt faktisch verwehren.

Nein. Die Bezeichnung einer Gebühr ist für ihre Rechtmäßigkeit nicht entscheidend. Nach internationalem Recht dürfen Gebühren nicht allein deshalb erhoben werden, weil ein Schiff eine internationale Meerenge durchfährt.

Nein. Die zugrunde liegenden Rechtsgrundsätze gelten für alle Meerengen, die der internationalen Schifffahrt dienen. Dazu gehören unter anderem die Straße von Malakka und Singapur, die Bab-al-Mandab-Straße am Eingang zum Roten Meer und zum Suezkanal, die Straße von Gibraltar sowie der Ärmelkanal – allesamt maritime Schlüsselrouten von globaler Bedeutung. Jeder Versuch, in einer solchen strategisch wichtigen Meerenge einseitig Transitgebühren einzuführen, könnte die regelbasierte internationale Ordnung untergraben und andere Staaten dazu ermutigen, vergleichbare Maßnahmen zu ergreifen. Die Folgen würden weit über die betroffene Region hinausreichen und den Welthandel insgesamt beeinträchtigen.

Weltkarte mit eingezeichneten Haupt- und Neben-Schifffahrtsrouten sowie markierten geopolitischen Spannungsgebieten und Meerengen wie Suezkanal, Straße von Hormus und Straße von Taiwan.

Der Verband Deutscher Reeder setzt sich dafür ein, dass alle Staaten das internationale Seerecht achten, die Sicherheit der Seeleute gewährleisten und sicherstellen, dass Handelsschiffe internationale Meerengen sicher, geschützt und ohne rechtswidrige Behinderungen, unnötige Beschränkungen oder unzulässige Gebühren passieren können.

Die Freiheit der Schifffahrt und die ungehinderte Transitdurchfahrt durch internationale Meerengen sind Grundvoraussetzungen für den Welthandel, funktionierende Lieferketten und die globale Energieversorgung. Diese völkerrechtlichen Grundsätze müssen gewahrt und konsequent geschützt werden.

Diese Haltung teilen alle wichtigen internationalen Schifffahrtsverbände, wie der gemeinsame offene Brief an UNO-Generalsekretär António Guterres und den Generalsekretär der Weltseeschifffahrtsorganisation IMO, Arsenio Dominguez, zeigt:

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