Foto von MPC Capital-CEO Constantin Baack (Mitte) mit seinem MPC Container Ships Co-CEO Moritz Fuhrmann (rechts) und Dr. Michael Silies, Geschäfts­führer von Wilhelmsen Ahrenkiel Ship Management (links).
Serien-Logo Deutsche Reeder in Porträt

Ist MPC eine Reederei? Eigentlich sogar mehr als das: „Wir beschäftigen uns mit maritimer Infrastruktur in ihrer ganzen Bandbreite. Es gehört zu unserer DNA, alle Facetten des Reedertums abzudecken“, sagt Constantin Baack, 45, Vorstandsvorsitzender des Hamburger Investmenthauses MPC Capital. MPC ist unter anderem Gründer und größter Aktionär von MPC Container Ships. Das an der Osloer Börse notierte Unternehmen besitzt 60 Containerschiffe. Mit Wilhelmsen Ahrenkiel Shipmanagement gehört außerdem ein Service-Provider zur Unternehmensgruppe, der das technische Management von Schiffen in verschiedenen Sektoren (Container, Dry Bulk, Tanker und MPP) übernimmt.

Das Portfolio wird durch die Shipbroker Harper Petersen und Albis ergänzt, die kommerzielles Management und Befrachtung für Containerschiffe, Massengutfrachter und Tanker abdecken. Seit einigen Jahren engagiert sich MPC außerdem im Bereich erneuerbarer Energien – im Zuge der Dekarbonisierung der maritimen Industrie ein logischer Schritt.

Diese Vielfalt in der maritimen Wertschöpfungskette ist das Ergebnis eines Wandlungsprozesses. Die vor 30 Jahren gegründete MPC Capital war als Emissionshaus eine Größe im Markt der Schiffsbeteiligungen – und hatte im Jahr 2000 den Schritt an die Börse gewagt. „Schifffahrt ist ein sehr kapitalintensives Geschäft, deshalb waren wir sehr früh am Kapitalmarkt unterwegs“, sagt Baack. Doch mit der lang anhaltenden Schifffahrtskrise kam der Markt für geschlossene Schiffs­fonds zum Erliegen.

Das Unternehmen verlagerte den Schwerpunkt zunächst auf Immobilien und erneuerbare Energien und positionierte sich neu: als internationaler Asset- und Investmentmanager für institutionelle Kunden. Im Jahr 2014 ergab sich dann die Gelegenheit, die Aktivitäten in der Schifffahrt auszuweiten: Gemeinsam mit der Reederei Thien & Heyenga übernahm MPC die Hamburger Reederei Ahrenkiel. Der Shipmanager firmierte fortan unter „Ahrenkiel Steamship“.

Foto von Constantin Baack, CEO MPC Capital, Co-CEO MPC Containerships


Maritime Chancen
Betriebswirtschaftler Constantin Baack, der nach Stationen bei Hamburg Süd in Sydney und bei Ernst & Young in Hamburg und Shanghai 2008 bei MPC anheuerte, war in den Integrationsprozess intensiv eingebunden – ebenso wie Michael Silies, der bereits seit 2003 für MPC arbeitet und in der Folge die Führung der Shipmanagement-Sparte übernahm. Silies kam als Exot in die Branche: Der heute 49-Jährige hat Musikwissenschaft studiert und über einen Renaissance-Musiker promoviert, ist aber mit Leib und Seele in der Schifffahrtsbranche: „Das ist ein sehr emotionales Geschäft – wer ein Jahr bleibt, bleibt fürs Leben.“

Schon 2017 ergibt sich eine weitere Chance für MPC: Banken wollen sich von etlichen Schiffen trennen. Ganze Portfolios an Containerschiffen stehen zum Verkauf, Das Team um Constantin Baack analysiert die Lage: Die Preise sind attraktiv, das Segment – kleine Containerschiffe – hat Potenzial, weil mittelfristig eine Angebotslücke droht. Jetzt zahlt sich aus, dass MPC Börsenerfahrung und Zugang zum Kapitalmarkt hat.
Komplexe Flotten-Deals werden unter Dach und Fach gebracht und das neue Unternehmen unter dem Namen MPC Container Ships im Frühjahr 2017 an die Osloer Börse gebracht. Warum Oslo? „Wir wissen, dass Hamburg als Standort unser starker Anker ist. Aber wir wissen auch, dass es ohne internationales Kapital und internationale Partner nicht funktioniert“, sagt Baack. Die norwegische Börse ist ein effizienter Markt, die Regulatorik arbeitet schnell, es gibt erfahrene Investoren mit einem hohen Verständnis für volatile Märkte wie die Schifffahrt. Die MPCC-Aktie gehört zu den liquidfesten im Markt, der Börsenwert des Unternehmens beträgt umgerechnet rund eine Milliarde Dollar.

Foto von Moritz Fuhrmann, Co-CEO und CFO MPC Containerships

Breit aufgestellt und agil
„Der Erfolg ist charakteristisch für die MPC-Gruppe: Wir sind in der Lage, sehr schnell opportunistisch zu handeln, also Chancen wahrzunehmen“, sagt Moritz Fuhrmann, 35. Der gelernte Schifffahrtskaufmann hat in London studiert und bei einem maritimen Asset-Manager gearbeitet. Zuvor war er bei mehreren Banken in der Schiffsfinanzierung tätig. Nach seiner Einschätzung war MPC das einzige Unternehmen, dass eine „Transaktion in dieser Größenordnung umsetzen konnte“.

Fuhrmann ist seit Ende 2022 CFO bei MPC Container Ships und teilt sich mittlerweile den Chefposten mit Constantin Baack. Schiffe in schwachen Marktphasen günstig kaufen und in starken Phasen teuer verkaufen: Asset-Play gehört für die Investmentprofis dazu. Daneben tritt aber zunehmend eine weiterer Aspekt: der langfristige wirtschaftliche Betrieb der Flotte mit längeren Charterverträgen, um attraktive Dividendenzahlungen sicherzustellen. „In den vergangenen zweieinhalb Jahren konnten wir rund 850 Millionen Dollar an unsere Anleger ausschütten“, berichtet Fuhrmann. Das dauerhafte Engagement erfordert einen entsprechenden Apparat. „Es ist ein Vorteil, wenn man breit aufgestellt ist und alles unter einem Dach abarbeiten kann“, sagt CEO Baack. „Gleichzeitig wollen wir uns aber unsere Agilität und Spontaneität erhalten.“

Dynamisch bleibt das Unternehmen auf jeden Fall: Mitte 2020 führt MPC seine maritime Servicesparte mit Wilhelmsen ShipManagement zusammen. Michael Silies übernimmt die Geschäftsführung des 50/50-Joint-Ventures „Wilhelmsen Ahrenkiel Ship Management“.„Das ist ein Perfect Match“, sagt Silies. MPC wie Wilhelmsen seien Familienunternehmen – hinter MPC steht die angesehene Hamburger Familie Schroeder – und teilten die gleichen Werte: Leidenschaft für Schifffahrt, hohe Qualitätsstandards und Serviceorientierung. Die Norweger stärken ihre Präsenz in Deutschland, die Deutschen profitieren vom internationalen Netzwerk mit sieben Büros. Erklärtes Ziel ist es, wettbewerbsfähige, qualitativ hochwertige Schiffsmanagement-Dienstleistungen bereitzustellen. „Die Synergien sind beträchtlich“, sagt Silies. Die immer komplexeren Reporting-Stan­dards etwa in Sachen ESG (Environment, Social, Governance) würden kleinere Unternehmen leicht überfordern. „Die Norweger sind in der Hinsicht Vorreiter.“

Auch mit der Gewinnung von Seepersonal tun sich größere Einheiten oft leichter. Auf dem Weg dorthin ist der deutsch-norwegische Schiffsmanager Ende vergangenen Jahres einen Riesenschritt weitergekommen: Mit der Übernahme von Zeaborn wird der Standort Hamburg weiter gestärkt. Das Unternehmen betreut dann mehr als 20 teilweise namhafte externe Kunden und rund 130 Schiffe in unterschiedlichen Segmenten.

Foto von Dr. Michael Silies, Geschäftsführer Wilhelmsen Ahrenkiel Ship Management

Klimaschutz im Blick
Sich weiter­entwickeln als Unternehmen und als Branche: Das betrifft ganz besonders das Thema Dekarbonisierung. MPC Capital entwickelt seit 2007 Projekte im Bereich erneuerbare Energien und ist einer der größten Player in Lateinamerika und in der Karibik. Der Gedanke, dass das auch ein Baustein für maritime Energieinfrastruktur sein kann, liegt nicht allzu fern. „Die Sektoren verzahnen sich“, beobachtet Baack. Dazu passt, dass die Gruppe an Ineratec beteiligt ist. Das Unternehmen baut in Frankfurt eine Pionier-Anlage zur Herstellung von synthetischen, klimafreundlichen E-Fuels.

Und es geht auch ganz praktisch voran: „Wir haben als erster Tonnage-Provider Schiffe mit Dual-Fuel-Antrieb bestellt, die mit Methanol fahren können“, sagt MPCC-Co-Chef Fuhrmann. Das erste „Greenbox“-Schiff soll Ende des Jahres ausgeliefert werden. Zwei Ecobox-Schiffe einer Sechser-Serie mit 5.500 TEU sind bereits am Start: Im konventionellen Betrieb spart das Ecodesign rund 20 Prozent Treibhausgase ein, nach der Umrüstung auf grünes Methanol wären es mehr als 90 Prozent.

MPC bringt sich außerdem aktiv beim Maersk Mc-Kinney Møller Center for Zero Carbon Shipping ein. MPC-Capital-Chef Baack sieht Thinktanks und Plattformen für den Know-how-Transfer als essenziell für die Zukunftsfähigkeit der Branche an. Dazu zählt er ausdrücklich auch die Fachleute beim Verband Deutscher Reeder: „Es ist wichtig, dass man sich bei Themen wie dem EU-Emissionshandel austauscht und mit einer Stimme spricht.“ Auch das VDR-Engagement für die Nachwuchsgewinnung sei wichtig. „Den meisten ist gar nicht klar, was für ein breites Spektrum an Berufen man in der maritimen Branche hat“, ergänzt Silies. „Wir beschäftigen nicht nur Schifffahrtskaufleute und Inspektoren, sondern auch Chemiker und Data Scientists.“ So betreibt MPC mit Waterway IT einen eigenen Dienstleister, der die Digitalisierung des Unternehmens und insbesondere die Land-See-Kommunikation voranbringt und auch externen Kunden offensteht.

Neue Technologien testen, neue Chancen nutzen, neue Märkte ins Visier nehmen: Das maritime MPC-Team sieht sich hier gut aufgestellt: Mehr als die Hälfte der MPCC-Schiffe ist schuldenfrei, die Zusammenarbeit innerhalb der Unternehmensgruppe ist eng, der Rückhalt durch die Eigentümerfamilie groß. Und der Standort Hamburg bleibt ein solider Anker für das Engagement in aller Welt.

Foto von einem Panorama. Der Blick aus der MPC-Zentrale am „Altonaer Balkon“ in Hamburg.

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