Satellitenaufnahme der Küste von Alang in Indien, wo zahlreiche ausgemusterte Schiffe zum Recycling angelandet sind.

Jedes Jahr werden weltweit Hunderte von Seeschiffen außer Dienst gestellt. Ein großer Teil dieser Schiffe wird recycelt – vor allem in Südasien, insbesondere in Indien, Bangladesch und Pakistan. Das dort gewonnene Altmetall, in erster Linie Stahl, ist ein wichtiger Rohstoff. Das Schiffsrecycling leistet nicht nur einen Beitrag zur Wiederverwertung wertvoller Materialien, sondern sichert auch zahlreiche Arbeitsplätze.

Beim Abwracken moderner Handelsschiffe werden heute über 90 Prozent der Materialien wiederverwertet. Neben dem Stahl finden auch viele Bauteile wie Anker, Lampen oder Maschinen neue Verwendung. Nur ein kleiner Teil muss fachgerecht entsorgt werden.

Ziel der internationalen Schifffahrt ist es, Schiffsrecycling nicht nur effizient, sondern auch umwelt- und sozialverträglich zu gestalten. Einen wichtigen Rahmen dafür bildet das Hongkong-Übereinkommen der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation (IMO). Es legt weltweit gültige Standards für Sicherheit, Umweltschutz und Transparenz beim Abwracken von Schiffen fest – von der sachgerechten Entsorgung gefährlicher Stoffe bis zur Zertifizierung von Recyclingwerften. Mit der Ratifizierung durch Bangladesch und Liberia wurde 2023 der Weg für das Inkrafttreten des Abkommens im Jahr 2025 geebnet. Der Verband Deutscher Reeder (VDR) begrüßt diesen wichtigen Schritt ausdrücklich.

Wie hier sieht es mittlerweile auf zwei Dritteln der Recycling-Werften im indischen Alang aus.

Schon lange vor dem Inkrafttreten des Übereinkommens haben zahlreiche Werften, insbesondere in Indien, begonnen, sich freiwillig an den internationalen Vorgaben zu orientieren. Investitionen in moderne Infrastruktur, umfangreiche Schulungen der Beschäftigten, verbesserte Arbeits- und Umweltstandards sowie ein strukturierter Umgang mit Gefahrstoffen zeigen, dass sich das Schiffsrecycling in vielen Regionen auf einem sehr guten Weg befindet. Diese Entwicklung verdient Anerkennung und aktive Unterstützung.

Auch auf europäischer Ebene wurde mit der EU-Verordnung über das Recycling von Schiffen ein wichtiger Schritt zur Förderung hoher Standards gemacht. Die Herausforderung liegt jedoch in der internationalen Abstimmung. Die in der Verordnung vorgesehene Beschränkung auf bestimmte Standorte führt dazu, dass erhebliche Recyclingkapazitäten in Drittstaaten ungenutzt bleiben – selbst wenn diese Werften bereits nachweislich internationalen Anforderungen entsprechen. Für Schiffe unter europäischer Flagge kann dies zu erheblichen Engpässen führen, da die weltweit verfügbaren Kapazitäten nicht vollständig ausgeschöpft werden können. Eine bessere internationale Abstimmung ist daher notwendig, um Nachhaltigkeit, Verfügbarkeit und Umweltschutz im Schiffsrecycling wirksam miteinander zu verbinden.

Der VDR setzt sich daher aktiv für eine internationale Harmonisierung der Regelwerke ein. Die Einbindung anerkannter und geprüfter Werften weltweit stärkt nicht nur den Umweltschutz und die soziale Verantwortung, sondern schafft auch Planbarkeit für Reedereien und Werften gleichermaßen. Ziel ist es, verantwortungsvolles Schiffsrecycling global zu etablieren und es kontinuierlich zu verbessern

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  • Portraitfoto Christian Naegeli

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