Containerschiff im Panamakanal, digital ergänzt mit großflächigen Illustrationen von Pippi Langstrumpf am Brückenaufbau und dem Sams auf den Containern – symbolisch für den weltweiten Versand von Büchern des Oetinger-Verlags.
Abbildung vom MarkenanBord Logo

Welchen Bezug haben Sie als Kinderbuchverlag zur Schifffahrt? Welche Bedeutung hat dabei der Standort Hamburg?
Thilo Schmid: Beide Welten – die Schifffahrt und das Verlegen von Geschichten – sind in der Hafenstadt Hamburg tief verwurzelt. Die maritime Kultur hat unsere Stadt und ihre Menschen geprägt: Offenheit, Entdeckergeist und verantwortungsvoller Handel gehören zu unserem Selbstverständnis – und spiegeln sich auch in der Verlagsgruppe Oetinger wider. In unserem Programm finden sich zahlreiche Bücher mit maritimen Motiven, die längst Teil unserer Unternehmenskultur geworden sind. Unser Intranet heißt Peripli, unsere Etagen nennen wir Decks, die Räume tragen Namen wie Hoppetosse, und wir sprechen von unserer Crew. An besonders erfolgreichen Tagen läuten wir sogar unsere große Schiffsglocke – ein Symbol für Teamgeist und gemeinsame Fahrt auf Erfolgskurs.

Thilo Schmid, verantwortlich für Vertrieb und Marketing bei Oetinger, sitzt lächelnd auf einer Holzbank in einem modernen Besprechungsraum

Welche Rolle spielt die Schifffahrt in der Logistikkette Ihres Unternehmens? Wie werden die Bücher transportiert bzw. für die Verschiffung vorbereitet? Wie viele Bücher importieren Sie jährlich per Schiff?
Schmid: Oetinger entwickelt und steuert die Herstellung seiner Produkte in Hamburg, produziert wird jedoch überwiegend bei externen Druckereien in Europa. Ein Großteil unserer Bücher wird per Bahn und Lkw transportiert. In den vergangenen Jahren haben wir jedoch auch mehrere Millionen Exemplare – vor allem aus Asien – per Schiff importiert. Bis September 2025 waren es in diesem Jahr bereits rund 750.000 Bücher, die in Containern auf insgesamt 45 Schiffen, unter anderem aus Yantian, Hongkong und Shenzhen, ihren Weg nach Hamburg fanden. Eines meiner persönlichen Lieblingsschiffe dabei: die „Ever Alot“ (bereedert übrigens von Bernhard Schulte Shipmanagement).

Wie wichtig ist das Thema Nachhaltigkeit bei der Verlagsgruppe?
Schmid: Nachhaltigkeit ist für uns und unsere Mitarbeitenden ein zentrales Anliegen. Unsere Schwerpunkte liegen auf Bildung, verantwortungsvollem Konsum und aktivem Klimaschutz. Seit 2020 kompensieren wir unvermeidbare Treib­hausgasemissionen durch Klimaschutzprojekte, die gemeinsam von unserer Crew und unseren Kundinnen und Kunden ausgewählt werden. 

2023 haben wir unseren ersten Nachhaltigkeitsbericht nach dem Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK) veröffentlicht. Uns ist bewusst, dass ein einzelnes Containerschiff enorme Frachtmengen transportieren kann – was den Energieverbrauch und damit den CO₂-Ausstoß pro transportierter Einheit deutlich reduziert. Mit großem Interesse verfolgen wir daher die Entwicklung neuer Treibstoffe, effizienterer Antriebe und energiesparender Technologien in der Schifffahrt.

Wie gehen Sie mit Herausforderungen wie geopolitischen Konflikten um, damit sie die Kontinuität Ihrer Lieferketten nicht gefährden?
Schmid: Wir setzen auf langfristige Partnerschaften und Verträge, um Stabilität zu gewährleisten. Gleichzeitig diversifizieren wir unsere Lieferketten und verlagern bei Bedarf Druck- und Produktionsstandorte in unterschiedliche Regionen. So bleiben wir flexibel und können auf internationale Entwicklungen schnell und umsichtig reagieren.

Die Geschäftsführung des Oetinger Verlags vor dem Verlagssitz: Thilo Schmid (Vertrieb und Marketing), Julia Bielenberg (Content, Mitte) und Christian Graef (kaufmännischer Bereich)

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