Das Seeschiff ist das wichtigste Verkehrsmittel für den internationalen Warenaustausch – und zugleich das mit dem geringsten CO2-Ausstoß: Um einen Container einen Kilometer weit zu transportieren, stößt ein Lkw rund 14-mal so viel CO2 aus wie ein modernes Frachtschiff. Insgesamt kommt die Seeschifffahrt mit rund 100.000 Einheiten zwar auf einen Anteil von weniger als drei Prozent an den globalen Treibhausgasemissionen. Die Branche ist sich aber der Verantwortung bewusst, hier ihren Beitrag zu leisten: Kernziel ist deshalb die vollständige Dekarbonisierung der Schifffahrt.
Die IMO hat bereits 2018 eine erste Strategie zur Verringerung der Treibhausgasemissionen beschlossen. Diese wurde 2023 deutlich verschärft. Nun strebt die Branche bis 2050 Netto-Null-Emissionen an. Der VDR unterstützt dieses Ziel und setzt sich für eine zügige Transformation ein. Im Fokus stehen die Entwicklung und der Einsatz klimaneutraler Kraftstoffe wie Methanol, Ammoniak und Wasserstoff sowie Investitionen in energieeffiziente Technologien und moderne Schiffe.
Mit dem European Green Industrial Deal will die EU bis 2050 der erste klimaneutrale Kontinent werden. Für die Schifffahrt bedeutet das:
- Einbeziehung in den EU-Emissionshandel
- Umsetzung der FuelEU Maritime Initiative
Deutsche Reedereien leisten hier bereits ihren Beitrag: Sie zahlen für CO₂-Emissionen, investieren in neue Antriebstechnologien und treiben die Modernisierung ihrer Flotten aktiv voran.

Mit dem „Fit for 55“-Paket, dem REPowerEU-Plan und dem Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft verfolgt die EU ein gemeinsames Ziel: ein klimaneutrales Europa bis 2050. Während Fit for 55 die CO₂-Emissionen deutlich senken soll, zielt REPowerEU auf eine sichere und unabhängige Energieversorgung. Der Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft sorgt dafür, dass Rohstoffe effizienter genutzt und Abfälle reduziert werden. Zusammen bilden sie das Fundament für den nachhaltigen Umbau von Wirtschaft und Industrie in der EU.
Der VDR bringt sich gemeinsam mit dem Europäischen Reederverband (ECSA) aktiv in die EU-Prozesse ein und setzt sich dabei insbesondere für eine Harmonisierung der europäischen mit den internationalen Regularien ein, um Doppelregulierung und Doppelbelastungen zu vermeiden.
Der Weg zur Klimaneutralität ist anspruchsvoll – technisch, logistisch und finanziell. Es braucht nicht nur neue Schiffe, sondern auch eine moderne leistungsfähige Hafeninfrastruktur und die Verfügbarkeit bezahlbarer, klimaneutraler Kraftstoffe.
Die Schifffahrt ist eine globale Industrie – über 90 Prozent des Welthandels werden auf See transportiert. Treibhausgasemissionen kennen keine nationalen Grenzen. Deshalb setzt sich die Branche für weltweit einheitliche Vorgaben ein. Nur so lassen sich Klimaziele wirksam und fair umsetzen – ohne Wettbewerbsverzerrungen.





