Porträtfoto von Thomas Østrup Møller
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Welche Rolle spielt die Handelsschifffahrt für Dänemark als eine der weltweit führenden Schifffahrtsnationen?
Thomas Østrup Møller:
Die Rolle der Handelsschifffahrt ist für Dänemark riesig. Schon die dänische Geografie und Geschichte erzählen eine Menge über die Ursachen: Dänemark ist von Wasser umgeben, liegt geografisch günstig an der Zufahrt zur Ostsee, und schon die Wikinger legten die Grundsteine für Dänemark als Schifffahrtsnation. Diese historische Rolle hat sich heute in eine friedliche und sehr umfassende Handelsschifffahrt gewandelt.

So verfügt Dänemark heute über eine der größten Handelsflotten der Welt: Gemessen an der betriebenen Tonnage ist unser kleines Land mit nur knapp sechs Millionen Einwohnern die neuntgrößte Seefahrtsnation der Welt! Dabei ist die dänische Handelsflotte eindeutig der Grund dafür, dass Dänemark unter den Seefahrtsnationen in dieser Liga mitspielt.

Welche Faktoren sind entscheidend für den Erfolg der dänischen Schifffahrt, und wo sehen Sie derzeit die größten Herausforderungen?
Østrup Møller:
Ganz entscheidend ist natürlich die Wettbewerbsfähigkeit – und damit auch wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen. Dazu sind auch maritime Kompetenzen von Weltrang entscheidend. Hier muss man aber einfach feststellen, dass Dänemark in diesen Bereichen auch generell ein guter Standort ist, um Reedereigeschäfte zu betreiben.

Die sicherheits- und geopolitische Bedeutung maritimer Räume nimmt zu, derzeit insbesondere in Nordeuropa und der Arktis. Welche Auswirkungen hat dies auf die Handelsschifffahrt?
Østrup Møller:
Geopolitische Unruhen und Unsicherheiten im Welthandel können erstens zu veränderten Handelsmustern führen, an die sich die Schifffahrt anpassen muss. Darin sind dänische Reedereien sehr versiert, wobei diese Anpassungen natürlich nicht umsonst zu haben sind. Zweitens entstehen durch geopolitische Spannungen auch mehr Gebiete, wo Schifffahrt gefährlicher werden kann – wie z. B. im Roten Meer. Das führt zu erhöhter Unsicherheit in der sehr globalisierten Handelsschifffahrt.

Darüber hinaus haben wir unsere Hafeninfrastruktur – als kritische Infrastruktur – zunehmend im Blick, und es freut uns, dass auch in Deutschland die Bedeutung der Häfen stärker wahrgenommen wird. Denn die deutschen Überseehäfen sind auch für uns essenziell.

Wo sehen Sie besonderes Potenzial für eine vertiefte deutsch-dänische Zusammenarbeit in der maritimen Wirtschaft?
Østrup Møller:
Die dänisch-deutsche Zusammenarbeit ist schon heute sehr stark – auch im maritimen Bereich. Das gilt sowohl bilateral als auch in internationalen Foren wie der EU und der IMO. Wir haben auch eine starke Zusammenarbeit in der Industrie, wo maritime Unternehmen und Werften in Dänemark und Deutschland gemeinsam nachhaltige Innovation und stetiges Wachstum in der Branche fördern.

Dabei gibt es natürlich auch weitere Möglichkeiten der Vertiefung der maritimen Zusammenarbeit. Das gilt beispielsweise für die Zusammenarbeit in Bereichen wie Offshore-Windenergie, nachhaltigen Treibstoffen und Power-to-X samt Carbon Capture and Storage (CCS). Davon können die dänische und die deutsche Schifffahrt profitieren – auch in Form von Bau und Service neuer und bestehender Offshore-Windparks sowie durch den Transport von CO₂ zu dänischen und deutschen CO₂-Speicherstätten.

Wie gestalten Regierung und Branche in Dänemark den Übergang zu einer klimafreundlicheren und innovativen Schifffahrt?
Østrup Møller:
Dieser Übergang schreitet schon sehr schnell voran, zum Beispiel bei der Weiterentwicklung von nachhaltigen Treibstoffen, hybriden Lösungen und CCS. Wichtige Aspekte dabei sind auch Infrastruktur und Zugang zu Investitionen in eine nachhaltigere Schifffahrt. Es ist also auch eine politische Frage.

Sowohl aufseiten der Politik als auch bei den Reedereien zeigt sich, dass Dänemark insgesamt voranschreitet, wenn es darum geht, sowohl auf Energieeffizienzmaßnahmen als auch auf neue und nachhaltigere Schiffe zu setzen. Gleichzeitig setzt sich Dänemark mit großer Unterstützung der dänischen Reedereien für eine ambitionierte, globale Klimaregulierung der Schifffahrt ein, die dazu beitragen soll, die schädlichen Emissionen der Branche zu verringern. Das macht viel Hoffnung für die Zukunft einer Nation, für die Handelsschifffahrt eine so immense Bedeutung hat.

Thomas Østrup Møller, Botschafter des Königreichs Dänemark in Deutschland

Thomas Østrup Møller (geb. 1966) ist seit September 2024 Botschafter des Königreichs Dänemark in Deutschland. Er vertritt sein Land außerdem in der Schweiz und Liechtenstein. Zuvor war der Diplomat von 2020 bis 2024 Botschafter in China und in der Mongolei. Von 2017 bis 2020 arbeitete Østrup Møller als Commissioner for Corporate Management bei der dänischen Nationalpolizei, und von 2015 bis 2016 war er als Abteilungsleiter im Justizministerium tätig.

Thomas Østrup Møller kann auf eine lange Karriere im Außenministerium zurückblicken. Er war Dänemarks Botschafter in Polen (2010 bis 2012) und Unterstaatssekretär für Ressourcen und Verwaltung (2012 bis 2015). Zu seinen früheren Positionen gehören unter anderem: Botschaftsrat für Wirtschaft an der dänischen Botschaft in Berlin, Erster Sekretär an der dänischen Botschaft in Kairo und Leiter der Abteilung für NATO-Angelegenheiten. Østrup Møller hat einen Master of Science (Wirtschaft) der Universität Kopenhagen.

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