Foto der Knauf-Zentrale in Iphofen
Abbildung vom MarkenanBord Logo

Was sind Ihre Gedanken im Zusammenhang mit Schifffahrt?
Sebastian Hehn: Rund 90 Prozent des weltweiten Warenhandels werden auf dem Seeweg transportiert. Schifffahrt ist für mich ein unsichtbares Fundament unseres Alltags und zugleich der Motor des Welthandels. Viele der Dinge, die wir täglich ganz selbstverständlich nutzen, von Rohstoffen über Lebensmittel bis hin zu Baustoffen, gelangen durch sie an ihren Bestimmungsort. Erst wenn diese Verbindungen unterbrochen werden, wird deutlich, welche zentrale Rolle die Schifffahrt für Wirtschaft und Gesellschaft spielt.

Für Knauf sind der Seeweg und die Schifffahrt ein strategischer Enabler unseres globalen Geschäfts. Sie verbindet über 300 Produktionsstandorte, Lieferanten und Märkte über Ländergrenzen und Kontinente hinweg. Damit schafft sie die Grundlage für eine zuverlässige Versorgung unserer Kunden weltweit.

Porträtfoto von Sebastian Hehn

Mich begeistert dabei insbesondere die Komplexität globaler Lieferketten. Erfolgreiche Seefracht bzw. Seelogistik entsteht vor allem durch das Zusammenspiel vertrauensvoller strategischer Partnerschaften, Transparenz und vorausschauender Planung.

Knauf ist als weltweit tätiger Baustoffhersteller auf eine funktionierende Logistik angewiesen. Welche Rolle spielt die Schifffahrt dabei? Welche konkreten Produkte transportieren Sie per Schiff?
Hehn: Die Seeschifffahrt ist für Knauf von strategischer Bedeutung. Als weltweit tätiger Baustoffhersteller sind wir auf stabile internationale Lieferketten angewiesen. Über den Seeweg transportieren wir sowohl Rohstoffe als auch Fertigprodukte. Dazu gehören unter anderem Gips­produkte, Zement, Perlite, Dämmstoffe sowie verschiedene mineralische Rohstoffe und Vorprodukte. Jährlich bewegt Knauf weltweit rund 78.000 TEU im Containerverkehr und chartert zusätzlich etwa 80 Bulker. Je nach Produkt, Markt und Transportvolumen setzen wir dabei auf Container- oder Bulk-Lösungen.

Ein Bulk-Carrier liegt im Hafen und wird über Förderbänder mit Gips-Rohstein beladen
Abholung von Gips-Rohstein aus Garrucha in Spanien per Bulker.

Bei Knauf wird das Thema Nachhaltigkeit großgeschrieben. Welche Rolle spielt hier die Schifffahrt?
Hehn: Nachhaltigkeit ist ein zentraler Bestandteil unserer Unternehmensstrategie, und die Logistik leistet hierzu einen wichtigen Beitrag. Der Seetransport zählt bereits heute zu den CO₂-effizientesten Verkehrsträgern im globalen Güterverkehr.

Unser Anspruch geht jedoch über den Seetransport hinaus. Wir betrachten die gesamte Transportkette und setzen dort, wo es infrastrukturell und wirtschaftlich sinnvoll ist, verstärkt auf Vor- und Nachläufe per Binnenschiff. Wir überprüfen Vorteile alternativer Routings und wechseln zum Beispiel, wo planbar und auf Basis der voraussichtlichen Lieferzeiten machbar, von Lkws auf Seeverkehre innerhalb Europas. Gleichzeitig arbeiten wir mit unseren strategischen Partnern daran, die Auslastung einzelner Transporteinheiten kontinuierlich zu erhöhen und Transportströme intelligent zu bündeln. Eine höhere Auslastung bedeutet weniger Transporte, geringere Emissionen und eine insgesamt effizientere Nutzung vorhandener Kapazitäten.

Nachhaltigkeit verstehen wir dabei immer als Zusammenspiel aus ökologischer Verantwortung, wirtschaftlicher Effizienz und einer zuverlässigen Versorgung unserer internen und externen Kunden.

Wie gehen Sie mit Herausforderungen wie geopolitischen Konflikten um, damit sie die Kontinuität Ihrer Lieferketten nicht gefährden?
Hehn:
Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass geopolitische Entwicklungen erhebliche Auswirkungen auf globale Lieferketten haben können. Deshalb steht für uns nicht die kurzfristige Kostenoptimierung, sondern der Aufbau resilienter Lieferketten im Mittelpunkt. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist dabei Transparenz. Diese erreichen wir bewusst durch die Zusammenarbeit mit wenigen, global aufgestellten strategischen Partnern, mit denen wir langfristige Beziehungen pflegen. Der kontinuierliche Informationsaustausch und die hohe Sichtbarkeit entlang der Transportketten ermöglichen es uns, Risiken frühzeitig zu erkennen und gemeinsam schnell auf veränderte Marktbedingungen zu reagieren.
Dies schafft die notwendige Stabilität, um in einem zunehmend volatilen Umfeld die Versorgung unserer Werke und Kunden zuverlässig sicherzustellen. Ich bin stolz darauf, sagen zu können, dass bis dato weltweit kein einziges Knauf-Werk wegen fehlender Materialversorgung in Zeiten von Corona oder den aktuellen geopolitischen Brandherden zum Stillstand gekommen ist.

Foto der Knauf-Zentrale in Iphofen

weitere Artikel