Blick von oben auf den rot gestrichenen Bug eines fahrenden Schiffes, das durch tiefblaues Meerwasser pflügt und eine weiße Bugwelle erzeugt.

Die internationale Seeschifffahrt ist einzigartig: Keine andere Branche unterliegt einem so engmaschigen, global gültigen Regelwerk. Im Zentrum stehen vier zentrale Übereinkommen – bekannt als die „vier Säulen“ des internationalen Seerechts. Sie garantieren weltweit einheitliche Standards für Sicherheit, Umweltschutz, Ausbildung und soziale Bedingungen an Bord.


1. MLC – Maritime Labour Convention

Das Seearbeitsübereinkommen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) legt Mindeststandards für die Arbeits- und Lebensbedingungen von Seeleuten fest – unabhängig von der Flagge eines Schiffs. Sie regelt unter anderem:

  • Arbeits- und Ruhezeiten
  • Unterkunft, Verpflegung und medizinische Betreuung
  • Versicherungs- und Sozialschutz
  • Beschwerdemechanismen

Hafenstaaten können Schiffe bei Verstößen festhalten. Damit wirkt die MLC weltweit gegen die Senkung arbeits- und sozialrechtlicher Standards – und sichert faire Wettbewerbsbedingungen für Reedereien.



Vier zentrale Übereinkommen bilden das Fundament globaler Standards in der Seeschifffahrt: SOLAS, MARPOL, STCW und MLC.

2. SOLAS – International Convention for the Safety of Life at Sea

SOLAS ist das älteste und umfassendste Regelwerk für die Sicherheit auf See. Entstanden nach dem Untergang der „Titanic“, enthält die Konvention heute Vorschriften für:

  • Stabilität und Schiffskonstruktion
  • Brandschutz und Rettungseinrichtungen
  • Funk- und Navigationstechnik
  • Sicherheitsanforderungen in besonderen Fahrtgebieten (z. B. Arktis)

Die Konvention wird laufend aktualisiert, zuletzt nach dem Unfall der „Costa Concordia“. Sie ist die Grundlage für Sicherheitskontrollen weltweit.


3. MARPOL – International Convention for the Prevention of Pollution from Ships

MARPOL ist das wichtigste internationale Abkommen zum Schutz der Meeresumwelt. Es umfasst sechs Anhänge, die unter anderem regeln:

  • Vermeidung von Öl- und Chemikalienaustritt
  • Abfallentsorgung auf See
  • Luftreinhaltung (z. B. Schwefelgrenzwerte in Emissionskontrollzonen)
  • Energieeffizienz und CO₂-Reduktion

MARPOL wird regelmäßig erweitert, um auf neue Umweltanforderungen zu reagieren. Es gilt für alle Schiffe im internationalen Verkehr.


4. STCW – Standards of Training, Certification and Watchkeeping for Seafarers

STCW legt weltweit verbindliche Mindeststandards für die Ausbildung und Qualifikation von Seeleuten fest. Ziel ist es, die Sicherheit auf See und den Schutz der Umwelt durch qualifiziertes Personal sicherzustellen. Das Übereinkommen umfasst:

  • Anforderungen an Kapitäne, Offiziere und Crew
  • Besondere Schulungen für Tank- und Passagierschiffe
  • Regelungen zum Wachdienst und zu Notfallmaßnahmen
  • Regelmäßige Überprüfung und Aktualisierung der Standards

STCW sorgt für internationale Vergleichbarkeit der Abschlüsse und trägt zur Professionalisierung der Seefahrt bei.

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  • Portraitfoto Carsten Duif

    Carsten Duif