In Niedersachsen setzten maritime Wirtschaft und Politik beim Ausbildungsforum des Verbands Deutscher Reeder (VDR) am 28. April in Leer ein Signal zur Gewinnung von Nachwuchs in der Seeschifffahrt. Im Vorfeld der Nationalen Maritimen Konferenz der Bundesregierung in Emden unterstrichen sie die Bedeutung qualifizierter Fachkräfte für den maritimen Standort Deutschland.
Die Entwicklung ist positiv: Mit 743 Neueinsteigern erreichte die Zahl der Berufsanfänger in der deutschen Handelsschifffahrt im Jahr 2025 den höchsten Stand seit über zehn Jahren. Besonders gefragt sind nautische und technische Offizierslaufbahnen, die Ausbildung zum Schiffsmechaniker sowie die Ausbildung zu Schifffahrtskaufleuten.
„Unsere Anstrengungen tragen Früchte: Nachwuchs ist der Schlüssel für die Zukunft der Handelsschifffahrt und für die Wettbewerbsfähigkeit unseres Standorts. Jetzt kommt es darauf an, diese Dynamik weiter zu stärken. Wir sehen: Wer die Schifffahrt erlebt, ist begeistert – internationale Teams, modernste Technik und die Chance, die Welt zu entdecken machen die Handelsschifffahrt für viele junge Menschen attraktiv“, betont Gaby Bornheim, Präsidentin des VDR.
Eine Laufbahn in der Seeschifffahrt eröffnet vielfältige Karrierewege – auf See etwa in nautischen und technischen Funktionen, an Land in Reedereien, Behörden und der gesamten maritimen Wirtschaft. Um frühzeitig Einblicke in diese Berufswelt zu ermöglichen, setzt die Branche gezielt auf neue und bewährte Nachwuchsprogramme:
Mit dem Botschafterprogramm SeaYou geben junge Seeleute authentische Einblicke in ihren Berufsalltag auf See und an Land. Gleichzeitig bringt das Ferienfahrer-Programm jedes Jahr Schülerinnen und Schüler erstmals an Bord. Allein in diesem Jahr haben sich erneut mehr als 70 junge Menschen beworben, um in den Sommerferien den Alltag auf Containerschiffen, Massengutfrachtern und Schleppschiffen hautnah zu erleben.
Auch für den Standort Leer ist die Branche von zentraler Bedeutung: „Die maritime Wirtschaft ist ein prägender Teil der Identität der Stadt Leer. Daher liegt es in unserem ureigenen Interesse, neue Kräfte für die Schifffahrt zu gewinnen. Mit dem Angebot von praxisorientierten Studiengängen und Ausbildungsangeboten spielt der Maritime Campus in unserer Stadt eine entscheidende Rolle, um den Nachwuchs zu fördern“, erklärt Claus-Peter Horst, Bürgermeister der Stadt Leer.
Die Politik unterstützt den eingeschlagenen Kurs: „Die Liebe zum Meer hält ein Leben lang – und oft beginnt diese Liebe schon in jungen Jahren. Die steigenden Zahlen der Berufsanfänger in der Handelsschifffahrt zeigen: Die Arbeit auf hoher See ist spannend und krisenfest. Und damit hat sie Zukunft. Das macht Mut. Unsere Häfen, unsere Schiffe, unsere maritimen Standorte brauchen junge, gut ausgebildete Menschen. Davon profitieren nicht nur die Betriebe an den Kais – sondern die ganze deutsche Wirtschaft“, betont Gitta Connemann, Parlamentarische Staatsekretärin im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie und Beauftragte der Bundesregierung für den Mittelstand.
„Maritimes Know-How spielt für unseren Schifffahrtsstandort Deutschland eine Schlüsselrolle. Die Bekämpfung des Fachkräftemangels in der Seeschifffahrt, sowie eine zukunftsfähige maritime Ausbildung haben für uns hohe Priorität. Wir wollen Nachwuchs gewinnen und Know-How in Deutschland halten – dazu ergreifen wir Maßnahmen, z.B. mit der Ausbildungsplatzförderung in der Seeschifffahrt, und wir setzen uns auch auf internationaler Ebene aktiv für die zukunftsfähigen Ausgestaltung von Ausbildungsstandards ein. Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst, doch auch hier kommt es auf die Zusammenarbeit und den engen Austausch aller Akteure an, um das volle Potenzial zu erreichen“, so Wibke Mellwig, Abteilungsleiterin Wasserstraßen und Schifffahrt im Bundesministerium für Verkehr.
Auch aus dem Deutschen Bundestag kommt Unterstützung für die weitere Entwicklung: „Ohne qualifizierten Nachwuchs fehlt unserem Schifffahrtsstandort Deutschland die Grundlage für Zukunft und Erfolg. Deshalb müssen wir Ausbildung und Qualifizierung weiter entschlossen stärken. Für die Aufgaben, die vor uns liegen, braucht es ein klares ‚All Hands on Deck‘-Manöver. Unsere hohen Arbeits- und Sozialstandards sind dabei ein wesentlicher Pfeiler unserer internationalen Stärke“, so Uwe Schmidt, MdB.
Claudia Müller, MdB, ergänzt: „Jetzt ist es wichtig, die jungen Leute dauerhaft an Bord zu halten. Dafür braucht es gute Arbeitsplatzperspektiven sowie Aus- und Weiterbildung für die klima- und umweltfreundliche Transformation der maritimen Wirtschaft. Politik und Reederschaft sind hier beide gefragt“.
Für die Reedereien ist klar: Der Wettbewerb um Talente bleibt intensiv, aber die Richtung stimmt. „Wer junge Menschen früh an die Schifffahrt heranführt und ihnen reale Perspektiven aufzeigt, kann sie auch für unsere Branche gewinnen. Entscheidend ist, dass wir Ausbildung nicht nur anbieten, sondern erlebbar machen und verlässlich begleiten. Die steigenden Einstiegszahlen sind ein gutes Signal, auf dem wir jetzt konsequent aufbauen müssen“, unterstreicht Stefan Jüngerhans, Geschäftsführer der Reederei Jüngerhans mit Sitz in Haren, Niedersachsen und Mitglied des VDR-Präsidiums.
Beim Ausbildungsforum wurde deutlich, worauf es jetzt ankommt: junge Menschen frühzeitig erreichen, Perspektiven sichtbar machen und Begeisterung wecken – damit aus ersten Kontakten langfristige Karrieren werden.
Über den Verband Deutscher Reeder
Der Verband Deutscher Reeder (VDR) vertritt die gemeinsamen wirtschafts- und sozialpolitischen Interessen der deutschen Reedereien auf der Ebene des Bundes und der Länder sowie gegenüber europäischen und internationalen Instanzen. Der VDR wurde 1907 gegründet und hat sich 1994 mit dem Verband der Deutschen Küstenschiffseigner zusammengeschlossen. Mit rund 200 Mitgliedern vertritt der VDR den größten Teil der deutschen Handelsflotte. Mehr Informationen unter www.reederverband.de.





