Der Tanker "Skylight" wurde am Sonntag rund fünf Seemeilen vor der Küste vom Oman beschossen.

Nach Berichten über Angriffe auf die zivile Schifffahrt im Bereich der Straße von Hormus und angrenzenden Seegebieten vor der Küste Omans, darunter auch ein Öltanker, beobachtet der Verband Deutscher Reeder (VDR) die Lage weiterhin mit größter Aufmerksamkeit. Nach vorliegenden Informationen gibt es dabei erste Verletzte und auch Todesopfer. Deutsche Schiffe und Seeleute sind nach aktueller Kenntnislage bislang nicht von Angriffen betroffen. Die Vorfälle zeigen jedoch, dass sich die Bedrohungslage für die zivile Handelsschifffahrt weiter konkretisiert hat.

Die Entwicklungen unterstreichen die zunehmende Gefährdung entlang einer der wichtigsten globalen Energie- und Handelsrouten und sind aus Sicht der Handelsschifffahrt äußerst besorgniserregend. Die Situation entwickelt sich hochdynamisch und bleibt sehr volatil.

Nach unserem derzeitigen Kenntnisstand befinden sich aktuell mindestens rund 25 Schiffe von sieben deutschen Reedereien in den Gewässern des Golfs. Darunter sind zwei Kreuzfahrtschiffe mit zusammen etwa 7.000 Passagieren an Bord, die die Region durch die Straße von Hormus aus Sicherheitsgründen derzeit nicht verlassen können. Darüber hinaus sind von der Lage im Nahen Osten noch weitaus mehr Schiffe deutscher Reedereien betroffen, die in der Großregion präsent sind, etwa im Arabischen Meer und im Roten Meer.

In zahlreichen Mitgliedsunternehmen laufen fortlaufend Krisensitzungen. Wo immer es operativ möglich ist, werden Schiffe umgeleitet – etwa um das Kap der Guten Hoffnung statt durch den Suezkanal im Roten Meer –, aus gefährdeten Seegebieten abgezogen oder warten in möglichst sicheren Positionen auf weitere Anweisungen.

Wir bitten um Verständnis, dass der VDR keine betroffenen Reedereien oder Einzelschiffe namentlich nennt. Dabei handelt es sich um sensible sicherheitsrelevante Informationen, deren Veröffentlichung in der aktuellen Lage zusätzliche Risiken für Besatzungen, Passagiere und Schiffe verursachen könnte.

Nach den uns derzeit vorliegenden Erkenntnissen besteht keine physische Blockade der Straße von Hormus. Es liegen jedoch Warnungen und Funksprüche iranischer Stellen vor, wonach Schiffe aufgefordert werden, die Passage nicht zu nutzen. Eine durchgehend militärisch abgeriegelte Meerenge – etwa durch Kriegsschiffe, Minen oder systematische Kontrollen – besteht aktuell nicht. Die Lage kann sich jedoch kurzfristig verändern.

Der VDR steht in engem und fortlaufendem Austausch mit der Deutschen Marine sowie mit seinen Mitgliedsunternehmen, um Lageeinschätzungen kontinuierlich abzugleichen und die Sicherheit von Besatzungen, Passagieren und Schiffen bestmöglich zu unterstützen.

Der Verband Deutscher Reeder fordert die internationale Politik und die zuständigen internationalen Sicherheitsbehörden auf, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um die zivile Schifffahrt, Seeleute und Passagiere insgesamt zu schützen – wohl wissend, wie komplex und herausfordernd die aktuelle Lage ist.

Die Lage entwickelt sich schnell und bleibt unvorhersehbar. Für die deutsche zivile Schifffahrt hat der Schutz der Seeleute und Passagiere oberste Priorität. Die Reedereien handeln mit höchster Vorsicht und passen ihre Routen- und Einsatzplanungen fortlaufend an die sich verändernde Sicherheitslage an.


Über den Verband Deutscher Reeder
Der Verband Deutscher Reeder (VDR) vertritt die gemeinsamen wirtschafts- und sozialpolitischen Interessen der deutschen Reedereien auf der Ebene des Bundes und der Länder sowie gegenüber europäischen und internationalen Instanzen. Der VDR wurde 1907 gegründet und hat sich 1994 mit dem Verband der Deutschen Küstenschiffseigner zusammengeschlossen. Mit rund 200 Mitgliedern vertritt der VDR den größten Teil der deutschen Handelsflotte. Mehr Informationen unter www.reederverband.de.

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  • Portraitfoto Carsten Duif

    Carsten Duif