06.06.24Hamburg

Weiterhin großer Bedarf an maritimen Fachkräften

Nachwuchssicherung im Fokus der Schifffahrtsbranche

Die Schifffahrt ist eine Branche im Wandel, die große Anstrengungen unternimmt, um neue Technologien und alternative Antriebstechniken voranzutreiben. Der Bedarf an Fachkräften in der Schifffahrt ist ungebrochen hoch. Doch in Zeiten knapper Arbeitnehmerressourcen ist es nicht immer einfach, neues Personal zu finden. Auf einer vom Verband Deutscher Reeder (VDR) und dem Deutschen Nautischen Verein (DNV) veranstalteten Konferenz in Hamburgs Landesvertretung in Berlin beleuchteten am 6. Juni 2024 Fachleute die Lage auf dem maritimen Arbeitsmarkt.
 
Die Schifffahrt ist eine enorm attraktive Branche, die durch ihre vielfältigen und einzigartigen Karrieremöglichkeiten in einem internationalen Umfeld viele junge Menschen anzieht. Dies unterstreicht die Entwicklung der Zahl an Neueinsteigern in der Schifffahrt im Jahr 2023, die im Vergleich zum Vorjahr um rund elf Prozent gestiegen ist. Im letzten Jahr haben 418 junge Leute den Weg in die Schifffahrt auf See (Vorjahr 377) und 214 an Land (Vorjahr 192) gefunden.
 
Doch der Bedarf an Nachwuchskräften bleibt weiterhin groß: Der Internationale Schifffahrtsverband BIMCO (Baltic and International Maritime Council) und die Internationale Schifffahrts-Kammer ICS (International Chamber of Shipping) prognostizierten 2021, dass ab 2022 jährlich alleine 17.902 Offiziere bis 2026 benötigt werden, um die weltweite Handelsflotte zu betreiben.
 
„Unternehmen, die nicht in Ausbildung und Weiterbildung investieren, sind langfristig im Wettbewerb benachteiligt“, so Erik Hirsch, Personalmanager bei Hapag-Lloyd.
 
Auch für den Leiter der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt ist die Nachwuchs- und Fachkräftegewinnung in der Verwaltung eine der Herausforderungen der nächsten Jahre: „Die Digitalisierung wird ein zentrales Instrument sein, um die Arbeitsprozesse zu optimieren. Sie wird dabei helfen, unsere fachliche Kompetenz zielgerichtet einzusetzen und die Attraktivität der nautischen Berufe zu steigern. Dabei brauchen wir auch die Unterstützung der Politik und Gesellschaft“, fügt Eric Oehlmann hinzu.
 
Auf den 1.800 Schiffen der 266 hiesigen Reedereien sind derzeit rund 7.000 Menschen in Deutschland sozialversicherungspflichtig tätig. An Land sind es nach Schätzungen mit über 21.000 Personen drei Mal so viele. Damit schafft die deutsche Schifffahrt derzeit unmittelbar knapp 30.000 Arbeitsplätze. Schätzungen gehen von bis zu 400.000 Arbeitsplätzen aus, die direkt und indirekt von der maritimen Wirtschaft abhängig sind, da mit der Schifffahrt ein ganzes Netz an Wirtschaftszweigen verwoben ist. Denn: Energie, Rohstoffe, Elektronik, Kleidung, Lebensmittel und vieles mehr werden größtenteils über den Seeweg transportiert.
 
„Um möglichst viele junge Menschen für die Schifffahrt zu begeistern, müssen wir weiter in moderne Ausbildungsprogramme investieren und die attraktiven Karriereperspektiven an Bord und später an Land bekannt machen“, so Holger Jäde, Referent für Ausbildung beim Verband Deutscher Reeder. „Der qualifizierte Nachwuchs ist einer der Schlüssel für einen starken und wettbewerbsfähigen maritimen Standort“, erklärt Jäde abschließend.
 
Die deutsche Seeschifffahrt bietet vielfältige Ausbildungs- und Arbeitsmöglichkeiten in verschiedensten Bereichen. Neben den offensichtlichen Positionen an Bord von Schiffen wie Kapitänen, nautischen und technischen Offizieren sowie Schiffsmechanikern gibt es eine Vielzahl von Arbeitsplätzen an Land. Dazu gehören zum Beispiel Positionen in den maritimen Verwaltungen, der Informationstechnik, Logistik; aber auch Tätigkeiten im Personalwesen, im rechtlichen oder versicherungstechnischen Bereich, in der Forschung und Entwicklung oder im Marketing.

 

 

Über den Verband Deutscher Reeder
Der Verband Deutscher Reeder (VDR) vertritt die gemeinsamen wirtschafts- und sozialpolitischen Interessen der deutschen Reedereien auf der Ebene des Bundes und der Länder sowie gegenüber europäischen und internationalen Instanzen. Der VDR wurde 1907 gegründet und hat sich 1994 mit dem Verband der Deutschen Küstenschiffseigner zusammengeschlossen. Mit seinen mehr als 150 Mitgliedsunternehmen aus unterschiedlichen Bereichen der Seeschifffahrt vertritt der VDR den größten Teil der deutschen Handelsflotte. Mehr Informationen unter www.reederverband.de.

 

Fotos: Igor Kardasov/Image Source RF (2) - stock.adobe.com

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